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Das Gericht in Brühl war Teil des Oberhofverbands im Erzstift.

Das heutige Amtsgericht wurde aber erst im vorigen Jahrhundert gegründet. Mit preußischem Gesetz vom 30. April 1913 wurde es errichtet, zuständig für die Stadt Brühl und die umliegenden Landgemeinden. Dieses Gesetz trat wohl im Dezember 1916 in Kraft, mehr als 40 Jahre nach der Gerichtsreform von 1878. Das neue Amtsgericht lag zunächst an der Liblarer Straße. Dort wurde es 1944 ausgebombt und zunächst geschlossen.

Im Dezember 1948 wurde es mit Genehmigung der damaligen Landesmilitärregierung wieder eröffnet und an der Kaiserstraße untergebracht, wo es bis etwa Mitte der 70er Jahre blieb. Aufgrund der Erweiterung der amtsgerichtlichen Aufgaben und des Bezirks um die häutigen Städte Wesseling und Hürth wurde das Gebäude jedoch zu klein. Daher errichtete das Land am Balthasar-Neumann-Platz ein neues Gebäude: ein eher nüchterner Zweckbau aus Beton mit vorgehängter Fassade, auf den Alltagsbetrieb eines Gerichtes zugeschnitten. Im Jahre 2000 wurde er aufwändig saniert und auf den neuesten Stand der Technik gebracht.

Aber wenige Jahre nach dem Umzug war dieses Haus ebenfalls schon nicht mehr groß genug. Die Landesregierung begann 1978 eine Neugliederung der Gerichtsorganisation, wodurch das Amtsgericht Lechenich aufgehoben und ab 1984 dem Amtsgericht Brühl zugeordnet wurde. Aus Raumgründen musste das aufgelöste Gericht in Lechenich von 1984 bis 1992 als Zweigstelle geführt werden. Als die Stadt Brühl ihr technisches Rathaus neben dem Gericht aufgab, wurde es als zweites Gerichtsgebäude erworben. Die Zweigstelle wurde aufgelöst und konnte 1992 nach Brühl umziehen.

Zeichnung des Gebäudes Clemens-August-Straße 34

Dieses zweite Haus wurde 1913 erbaut und repräsentiert ein interessantes Stück Brühler Geschichte. Die einst glanzvolle Sommerresidenzstadt verarmte unter französischer und preußischer Herrschaft so sehr, dass Brühl 1830 seine jahrhundertelangen Stadtrechte freiwillig zurückgab, um aus fiskalischen Gründen nur noch einfache Landgemeinde zu sein. Mit der anschließenden Kommunalreform trennte sie sich von ihren umliegenden Landgemeinden. Daraus entstand Anfang des vorigen Jahrhunderts die Bürgermeisterei Brühl Land. Diese ließ sich durch den Stadtbaumeister Blied ein repräsentatives Rathaus im barockisierenden Stil errichten. Schon in zeitgenössischen Berichten wird hervorgehoben, dass dieses an ein kleines Palais erinnernde Gebäude eine Zierde für die ganze Stadt Brühl sei. Besonders gelobt wird der heute noch so genutzte große Sitzungssaal mit reicher Stuckarbeit an einer gewölbten Decke.

Bild Leitsysteme AG Brühl
 

Die beiden Gebäude des Amtsgerichts Brühl bilden in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft einen bemerkenswerten baulichen Kontrast: am Balthasar-Neumann-Platz ein Haus aus Stahl und Beton. An der Clemens-August-Straße ein denkmalgeschütztes historisches Gebäude mit dem Charme des Brühler Baustils.